Transparent oder wie?

In der Schule lernt man, dass ein Text niemals mit dem Wort Ich beginnen darf. Gegen diese Regel habe ich also jetzt nicht mehr verstoßen und so kann ich mit dem eigentlichen Thema dieses Beitrags beginnen… Ich gehöre zu den wenigen Fotografen, die sich gerne auf die Finger gucken lassen. Es ist meine Überzeugung, dass Transparenz bis zu einer gewissen Grenze durchaus angebracht ist. Die Grenze liegt dort, wo Informationen der Sache nicht dienlich sind. Transparenz bedeutet für mich nicht, den Kunden über jeden Arbeitsschritt zu informieren oder wenn einmal der Server mit dem Fotoarchiv abstürzt. Spaß beiseite. Ich habe eine gute Backup Strategie (die ich zu einem anderen Zeitpunkt gerne detailiert beschreibe).

„CSI“ – Continuous Service Improvement

Was zuerst wie ein weiteres Buzzword klingt, hat tatsächlich Hand und Fuß. Fakt ist: Es gibt für die meissten meiner Arbeitsweisen Gründe. Das hängt damit zusammen, dass ich schon ein paar Jahre in dem Business tätig bin und während man in den ersten ein bis zwei Jahren noch relativ planlos arbeitet – hauptsache tolle Fotos – so fragt man sich zwangsläufig nach der zehnten Wiederholung, ob nicht irgendwas verbessert werden könnte. Verbessern ist nicht gleichzusetzen mit weniger Arbeit sondern eher mit besseren Resultaten, und zwar für alle. Wenn dies bedeutet, dass die Verbesserung auch noch weniger Zeit beansprucht dann hat jeder gewonnen. Hintergrund dieser ganzen CSI-Geschichte, zu deutsch etwa „Kontinuierliche Verbesserung der (Dienst)Leistungen“, steht nichts geringeres als ITIL („IT Infrastructure Library„). Ein Grundpfeiler von ITIL ist, dass man an einer kontinuierlichen Verbesserung dessen arbeiten sollte, was man gerade macht. Und genau dies tue ich. Habe es Satt, mich mit Mittelmaß zufriedenzugeben. Ich will der Beste werden. Ein ziemlich hochgestecktes Ziel, aber ohne festgelegte Ziele erreicht man nichts. Im übrigen werden Sie von mir niemals hören, ich sei der Beste Fotograf oder das bekannteste Fotostudio der Stadt, denn die endgültige Wertung überlasse ich lieber anderen. Wenden wir uns also wieder dem eigentlichen Thema zu, dem Blick hinter die Kulissen 01. Sie ahnen es: Es folgen noch mehr solcher Blicke. Heute erkläre ich kurz, wie ich bei der Auslieferung einer Hochzeitsreportage vorgehe. Dies ist nicht gänzlich uninteressant, weil ich tatsächlich so viel Zeit in dieses Thema gesteckt habe, dass es schon fast schmerzt. Frage eins: USB oder DVD?

USB vs. DVD – Die Wahl des Mediums

Heutzutage ist es echt hipp, einen bedruckten USB Stick mit allen Bildern an das Brautpaar zu schicken. So ein Stick hat seine Vorteile: Die Produktion ist recht günstig (5-6 EUR mit Druck), die Sticks sind handlich, haben massig Platz, sehen toll aus, lassen sich leicht versenden und so weiter. Ich habe mich trotz dieser Vorzüge dagegen entschieden, und zwar aus zwei Gründen:

Erstens: Ein Stick wird im „Notfall“ schonmal überschrieben. Eine DVD nicht.

Zweitens: Ein Stick geht aufgrund seiner Handlichkeit leichter verloren – eine DVD packt man ins Regal oder eine Box und kramt sie Jahre später vielleicht wieder aus.

Ich könnte noch weitere Gründe anbringen wie z.B. die Tatsache, dass viele dieser Low-Budget USB Sticks schon bei Auslieferung defekt sind oder nur die hälfte der angegebenen Kapazität aufweisen, aber im Grunde genügen schon die beiden obigen Aussagen, beinahe schon die erste.

Ich möchte, dass alle Brautpaare, die ich fotografiere, möglichst lange Freude an ihren Fotos haben. Eine qualitativ hochwertige DVD hält locker 10-15 Jahre und sie kann nicht ohne weiteres überschrieben werden. Frage zwei: Handbeschrieben oder Bedruckt?

Gut aussehen sollten nicht nur die Fotos!

Ich liebe es, Dinge auszupacken. Auch wenn ich heute nicht mehr zu den Apple Fan-Jüngern gehöre so fand ich schon damals die Art, wie Apple seine Produkte verpackt, ziemlich toll. Die Verpackung hatte etwas minimalistisches und doch vollständiges – ähnlich wie die Architektur des Ludwig Mies van der Rohe. Einfach, durchdacht und toll. Ich habe mir dies ein wenig als Vorbild genommen und beschlossen, dass meine DVDs nicht mit der Hand beschrieben sondern bedruckt werden sollen. Anfangs habe ich mich noch mit bedruckbaren Papierbögen aus dem Aldi Markt begnügt – hat funktioniert aber die Sticker zentriert auszurichten war ein Glücksspiel. Letztes Jahr bin ich dazu übergegangen, die Datenträger durch den Drucker zu schicken. Und so ist jede DVD ein Unikat – kein USB Stick, den man aus der Sammelkiste greift sondern ein sorgsam gestaltetes Werk. Ich begutachte jede DVD nach dem Druck, um sicherzugehen, dass alles stimmt.

Bedruckte DVD in einer Hülle mit Verschluss-Siegel

Über die Jahre habe ich mein System zwar immer weiter verfeinert und optimiert, im Kern ist es aber immer die selbe, total einfache Lösung: Alle Hochzeitsfotos landen auf einer oder mehreren DVDs. Jeder Datenträger wird professionell bedruckt und enthält neben einer Durchnummerierung und Bezeichnung des Inhalts auch die notwendigen Daten für eine Kontaktaufnahme, sollten einmal Fragen zu den Fotos oder besondere Wünsche entstehen.

Die verwendeten Rohlinge sind zur Zeit bedruckbare DVD-R von Maxell, mit einem niedrigen Innendurchmesser. Die Norm liegt bei ca. 40mm, diese haben 21mm.

Bedruckt werden die DVDs mit einem Epson Expression Photo XP-750. Mittlerweile gibt es den Epson XP-950, der auch in CDs/DVDs bedrucken kann. Die Druckergebnisse sind gestochen scharf und wirklich ohne Schmiererei. Besser geht es nicht.

Jede DVD erhält ein eigenes Case. Auch hier lege ich Wert auf ein gutes Produkt und spare nicht am falschen Ende indem ich Papierhüllen verwende. Offen gesagt landen Papierhüllen bei mir direkt im Müll. Sie sind nicht nur hässlich, sie eignen sich auch nicht zum Verstauen. Damit sich die Hülle beim Transport nicht öffnet, wird sie mit einem Streifen zugeklebt. Die Hülle hat noch einen weiteren Vorteil: Sie schützt den Inhalt davor, geknickt zu werden. Aber um trotzdem sicher zu gehen, dass der Postbote keinen dummen Fehler macht, landet auf jedem Päckchen ein weiterer Sticker mit unübersehbar großer Aufschrift: Bitte nicht knicken.

Sämtliche Labels (auch die Verschluss-Sticker) werden mit einem Dymo Labelwriter 450 bedruckt. Den Drucker gibts „gratis dazu“, wenn man ihn in Verbindung mit drei überteuerten Dymo Rollen kauft. Von den drei mitgelieferten Rollen ist eine für meine Zwecke unbrauchbar aber man erhält für unter 70 EUR einen Labeldrucker der so toll ist, dass ich ihm möglicherweise bald einen eigenen Beitrag widme. Danke Dymo, für einen Labeldrucker der wirklich erste Sahne ist!

Bedruckte DVD auf einem Spindel