Oktober 2016. Dieser Monat wird in meine persönliche Geschichte als der Monat eingehen, in dem ich möglicherweise die größte Menge an Nerven, Geld und Entscheidungen verbraten habe. Im vorherigen Artikel, Exit Balawa Rama berichtete ich von meinem Auszug aus der tollsten kreativ-Bürogemeinschaft der Stadt. In den Monaten vor dem Auszug habe ich natürlich wie ein Berserker nach Möglichkeiten gesucht, um das Geschäft am laufen zu halten oder idealerweise zu expandieren.

Die Frage ob ich ein Studio brauche hat sich schon lange erledigt. Zu viele Bewerbungsfotos habe ich bereits in dem Atelier gemacht und obwohl dieses weit davon entfernt war, wie ein professionelles Studio auszusehen (nicht isolierter Dachboden, ungemütliche Einrichtung etc.) kamen trotzdem immer mehr Leute. Jetzt einfach aufzuhören wäre also ein Rückschritt, und bei mir gibt es primär eine Richtung: nach vorne.

Es gibt Momente, da weiß man direkt die Antwort auf eine wichtige Frage, noch bevor man mit rationaler Abwägung beginnt. Das Gehirn braucht dafür ungefähr 2 Sekunden. Ich erzähle das jedem meiner Kunden, der ein Bewerbungsfoto machen lässt. In 2 Sekunden entscheidet der Mensch für oder wider eine Sache, erst dann beginnt er mit dem eigentlichen Nachdenken. Das kann man sich natürlich zu Nutze machen aber hin und wieder ist es wichtig, nicht nur impulsiv zu handeln.

Als ich zum ersten mal die Räumlichkeiten der alten Bahnhofskasse in der Ehranger Straße 2 betrat war meine Antwort: Ja. Ein paar Wochen später – der Mietvertrag war unterschrieben und ich hatte die Schlüssel – sagte mein Kopf: „Was für ein Griff in die Scheisse!“ Ich erspare meinen Lesern hier die Einzelheiten, aber solch eine Immobilie auf Vordermann zu bringen, nachdem jahrelang nichts gemacht wurde, ist ein Kraftakt. Wer jemals eine Immobilie besichtigt sollte unbedingt darauf achten, wie gelüftet wurde und ob z.B. im Sockelbereich (bis ca. 30cm über dem Boden) Feuchtigkeit vorhanden ist.

Sehr viel Zeit ging also in die Renovierung der über 80qm großen Immobilie mit 4 Meter hohen Decken und ich habe keine Mühen gescheut:

  • alle Wände wurden gestrichen, in schönem Weiß-Anthrazitgrau Kontrast
  • Der alte PVC Boden vom Vorgänger wurde entfernt
  • Im Hauptraum habe ich ca. 300l Bodenausgleichsmaße (nach vorheriger Reinigung und sachgemäßer Grundierung)
  • Der Boden im Hauptraum wurde zwei mal mit einer 2-Komponenten Bodenversiegelung angestrichen (Tiefgaragenboden)
  • Im Nebenbereich wurde Vinylparkett mit Trittschalldämmung verlegt
  • Es wurde eine Küchenzeile mit Spülbecken eingebaut

Das Resultat ist überwältigend. Ich bekomme regelmässig von meinen Kunden zu hören, wie angenehm und cool die Atmosphäre im Studio sei und dass sie solches nicht in der Gegend erwartet hätten. Gespannt blicke ich nach vorne und auch wenn ich nicht weiß, was noch alles tolles oder schlimmes passiert, eines weiß ich: Solange ich den Spaß an der Fotografie nicht verliere ist alles in Ordnung.