Das große Kliewer Fotografie 2014 Sommerprojekt ist das Bauen einer Hohlkehle. Was eine Hohlkehle ist und wie sie zum Einsatz kommt, wird in diesem Beitrag erklärt. Übrigens: DIY steht für Do It Yourself – Mach es selbst.

Technisch ausgedrückt ist eine Hohlkehle die negative Ausrundung einer Ecke oder Kante. Einfach ausgedrückt: Die Kante zwischen Boden und Wand ist rund. Hohlkehlen werden im Hausbau oft verwendet um den Übergang zwischen Boden und Wand fließender zu gestalten (und um Staubbildung in den Ecken zu vermeiden). In der Fotografie werden Hohlkehlen verwendet, um Objekte besser freistellen zu können. Durch die Abrundung entsteht der Eindruck eines unendlichen Hintergrundes, weil eine optische Abgrenzung nicht mehr vorhanden ist. Für eine ausführlichere Begrifferklärung verweise ich auf den Wikipedia Artikel zur Hohlkehle.

Der Plan

Bisher habe ich die Hohlkehlen mit Hilfe eines aufgehängten Studiohintergrundes hergestellt. Als Fabrikat kommen vorzugsweise die Hintergründe von Colorama zum Einsatz. Das System funktioniert recht gut und ist portabel, allerdings ist es nicht perfekt: Immer dann, wenn der Untergrund nicht eben ist bzw. die Rolle nicht genau waagerecht liegt, verzieht sich der Karton und es entstehen unschöne Beulen oder Wellen. Diese kann man zwar in der Nachbearbeitung weitestgehend entfernen aber dies kostet Zeit und Nerven. Mit der Möglichkeit, in einem langen Raum zu fotografieren, der zudem noch als Fotostudio genutzt wird, ist auch der Plan entstanden, dort eine Hohlkehle einzubauen. Dies ist mein erstes DIY Projekt und „Willkommensgeschenk“ in den neuen Räumlichkeiten.

Die Vorbereitung

Der Raum ist ein recht langer, schmaler Dachboden der sich nach oben verjüngt. Die Breite unten beträgt ca 3,70m, nach oben sind 2,40m Platz, bevor das Dach zu schmal für die Papierrollen wird. Die Konstruktion habe ich der bebilderten Anleitung von Coves’R’us (Webseite existiert nicht mehr) entnommen. Da hier keine Angaben zu den Materialien gemacht wurden, habe ich erst etwas Recherche betrieben und ein paar Baumärkte bemüht. Hier ist die vorerst finale Liste für mein Vorhaben:

10 x OSB Platte 15mm (für den Boden)

10 x Dachlatte 3000x48x24, Sägerauh (Unterstützung)

1x HDF Platte 3mm Dicke, sehr biegsam, 2800×800 (für die Kehle)

2x Hartfaserplatte 3mm Dicke, 1400×2000 (für den Hintergrund über der Kehle)

2x Pappelsperrholz 12mm Dicke, 900×900 (Stütze für die Kehle)

Kosten einer Hohlkehle

Bislang sind folgende Kosten entstanden:

  • Dachlatten: 10,20 EUR
  • OSB Platten: 57,68
  • HDF Platten 25,17 EUR + 17 EUR
  • Pappelsperrholz: 26,70 EUR
  • 1 Sack Spachtelmasse: Restsack vom Freund geschenkt bekommen – im Fachhandel kostet der Sack um die 15 EUR.
  • 2 Dosen Grundierung: 30 EUR.

Was nicht berechnet wird ist die Arbeitszeit. Ich kann nur soviel sagen: Es dauert lange!

Die Ausführung

Grundsätzlich schlage ich folgende Vorgehensweise vor:

Erst das Gerüst herstellen, dann die Feinarbeiten und den Anstrich erledigen. Vorbereitung ist das A und O.

Der erste Schritt bestand bei mir im Herstellen des Untergrunds, ein einfaches Podest. Ein Podest ist meiner Meinung zwingend notwendig und zwar aus zwei Gründen: 1) Es verleiht der Konstruktion eine gewisse Stabilität und Ebenheit 2) Der Anschluss an die Hohlkehle wird dadurch erst ermöglicht.

Um das Podest herzustellen habe ich die Dachlatten im Abstand von ca. 40cm aufrecht positioniert und miteinander verschraubt, bis die Rahmenkonstruktion stand. Anschließend habe ich die Spanplatten draufgelegt und mit den Latten verschraubt. Die normalen Schnellbauschrauben genügen, ich habe hier etwas hochwertigere Spax-Schrauben verwendet, was eigentlich Quatsch ist. Ein kleiner Tipp am Rande (ich habe in meinem Leben schon einige tausend Schrauben verbraten, u.a. in meinem Dachausbau): Torx Schrauben sind die besten. Ein Abrutschen ist quasi unmöglich. Bei so weichen Materialien wie Pressholz macht sich das nicht immer bemerkbar aber wenn es an härtere Materialien geht, sind Torx Schrauben Die Wahl – und sie ersparen eine Menge Frust.

Im nächsten Schritt werden die Rundungen für die Hohlkehle hergestellt. Ich habe hier viel zu viel Zeit in die Gedankenarbeit gesteckt und bin letztendlich zu folgender Lösung gekommen: Habe zwei Quadratische Pappelholzplatten gekauft und dort mit einem selbstkonstruierten Zirkel an der Oberfräse einen perfekten Kreis rausgefräst. Anschließend habe ich das Werkstück in vier Teile geschnitten und somit insgesamt acht Rundstücke erzeugt.

Der dritte Schritt war das Bauen der Rückwand. Auch hier ist viel Hirnschmalz geflossen, was mich zu folgendem Ergebnis brachte: Die Rückwand muss nichts aushalten, also kann das Flächendeckende Material das gleiche sein wie bei der Kehle, nämlich eine flexible HDF-Platte (Hohe Dichte Faser). Die Materialstärke beträgt ca. 3mm und eignet sich bestens. Die Rahmenkonstruktion selbst ist denkbar simpel: Ein viereck aus Latten herstellen, Zwischenstreben passend zu den Abständen der Rundstücke setzen und das ganze mit zwei diagonal angebrachten Streben aussteifen.

Nachdem also das Podest mit den Spanplatten sowie die Rückwand mit den HDF-Platten errichtet war, kam es zu dem Teil, den ich persönlich als den trickreichsten Empfand: Das einquetschen der HDF Platte in die Hohlkehle. Müsste ich die Hohlkehle nochmal bauen würde ich es anders machen, wahrscheinlich würde ich mehrere Latten auslegen, verschrauben und verspachteln. Eine HDF Platte ist schon widerspenstig und über diese Fläche eine Krümmung zu erzeugen und diese anschließend mit dem Rest der Konstruktion zu verbinden ist alleine nicht machbar. Ich habe drei Helfer gebraucht, welche die Platte mit großem Kraftaufwand in die Kehle pressten während ich schnell ein paar Fixierschrauben oben und unten anbrachte.

Der Rest war wirklich einfach: Die Rückwand wurde mit ein paar Dutzend Schrauben und ein paar Klecksen Heißkleber fixiert, die Übergänge verspachtelt. Die Stoßkanten der Spanplatten wurden in zwei Durchgängen verspachtelt, sowie die komplette begehbare Fläche. Dieser Schritt ist zeitaufwändig aber wirklich einfach, aber absolut notwendig, um eine glatte Oberfläche zu erreichen. Auch hier habe ich dazugelernt. Beim nächsten Mal würde ich die Ränder mit einer Art überstehenden „Lippe“ versehen und dann die komplette Fläche mit Bodenausgleichsmasse übergießen. Ein Sack kostet ca. 25 EUR. Diesen rührt man mit reichlich Wasser an und lässt die graue Suppe einfach über die Fläche laufen. Die Suppe füllt jede Fuge, hinterlässt eine Spiegelglatte Oberfläche und ist steinhart.

Je nachdem für welche Methode man sich entscheidet, kommt nun die Farbe ins Spiel. Ich habe die begehbare Fläche abgeschliffen und grundiert. Dies würde ich im Nachhinein als Fehler einstufen, denn Grundierung zieht den Schmutz von Straßenschuhen an und lässt sich schwer sauberhalten. Wer die Variante mit der Ausgleichsmasse verwendet (die etwas mehr Arbeit wg. Anbringung der Randlippe braucht), der kann im Anschluss mit weißer Zement oder Betonfarbe drüberstreichen.

Wichtig ist, dass besonders die Rückwand absolut weiß ist, da dies die Sichtseite ist. Lieber ein Anstrich mehr und dafür weniger Retuschearbeit.

Rückblickend habe ich einiges gelernt und würde vieles in Zukunft anders machen (ein gräßeres Studio kommt bestimmt bald). Es stellt sich nun die Frage, ob eine Hohlkehle angesichts des Aufwands wirklich notwendig ist. Meine Antwort: Es hängt davon ab was man erreichen will: Wer Produktfotos macht, der sollte sich eine zulegen. Wer ohnehin einen glatten Boden hat, und Porträts schießt, der ist mit einem Studiohintergrund von Colorama und einer Wandvorrichtung besser bedient. Ausserdem bin ich mittlerweile der Auffassung, dass eine Hohlkehle erst ab 5 Metern Breite wirklich Sinn macht.